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Gut gelandet in Litauen
Mit Flugzeugrädern und -kupplungen ist die Münchner Tost GmbH zunehmend auch in Osteuropa erfolgreich
Von Sabine Hölper
Wer seine Freizeit im eigenen Flieger über den Wolken verbringen will, der braucht dazu eine Stange Geld. Zwischen 50.000 und 150.000 Euro muss ein Pilot auf den Tisch blättern, bevor er abheben kann. Weil das selbst für reiche Leute kein Pappenstiel ist, schauen die Hobby-Flieger zunehmend aufs Geld und steigen auf günstigere Konkurrenzflieger aus dem Osten um. Denn Segelflugzeuge aus Polen, Tschechien oder Litauen gibt es schon ab 40 000 Euro.
IM NEUEN EUROPA
Von Litauen bis Zypern -
wo Münchner Firmen aktiv sind
Barbara und Michael Dörflein, die Geschäftsführer des Münchner Flugzeuggerätebauers Tost, sehen das allerdings gelassen. Sie profitieren so oder so - ihre Räder, Reifen und Sicherheitskupplungen werden sowohl in die deutsche DG300 als auch in die litauische Lak17 eingebaut. Sieben Jahre ist es her, dass der Deal mit dem litauischen Flugzeugbauer geschlossen wurde. Auf der Aero in Friedrichshafen, der europaweit größten Messe für Sportfliegerei, lernte Barbara Dörflein den Chef des litauischen Unternehmens Sportine Aviacija kennen. Wenige Stunden später war der Vertrag unterschrieben.
"Weltweit gibt es nur etwa 16 namhafte Hersteller von Segelflugzeugen. Da zählt jeder neue Kunde umso mehr." Und die litauische Firma ist die einzige im Baltikum. 50 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Tost durch Exporte ins Ausland, Tendenz steigend. Die Münchner Firma muss schließlich dahin liefern, wo ihre knapp 1000 Teile - von der Abseilsicherung bis zum Zwischenseil - montiert werden. Und die Fertigung der Flugzeuge verlagert sich immer mehr in Richtung Osten. "Noch vor wenigen Jahren deckten die drei großen deutschen Sportflugzeughersteller 90 Prozent des weltweiten Marktes ab", sagt Michael Dörflein. "Mittlerweile ist deren Anteil auf etwa 80 Prozent gefallen."
Im Gegenzug holen die Firmen aus Osteuropa auf. In Ländern wie Polen, Tschechien, der Slowakei und Litauen sei die Segelflugzeugindustrie traditionell sehr groß, erklären die beiden Firmenchefs. "Dort sind auch die besten Piloten der Welt zu Hause. Die gewinnen fast jeden Wettbewerb." Auch der Gesprächspartner aus Litauen baue bereits seit dreißig Jahren Flugzeuge. Nur hätten dessen Produkte bislang keine so große Rolle auf dem internationalen Markt gespielt. Das werde sich jetzt ändern, "Qualitativ stehen die Flugzeuge aus Litauen denen aus Deutschland in nichts nach", sagt Barbara Dörflein. "Aber die Litauer können die Flieger viel billiger produzieren. " Daher erwartet die passionierte Fliegerin für die Zukunft steigende Aufträge aus dem baltischen Staat.

Fliegerei als Hobby und Beruf: Michael und Barbara Dörflein beliefern Flugzeugbauer in ganz Europa
Die EU-Osterweiterung beflügele das Exportgeschäft zusätzlich. „Für uns ist es seit dem 1. Mai viel leichter geworden, unsere Produkte nach Litauen zu liefern", sagt der Junior-Chef. Früher hätte die ausländische Zollbehörde die Unternehmen regelrecht schikaniert. "War ein einziger Satz in den Frachtpapieren fehlerhaft, musste unser Kunde tagelang auf die Ware warten." Solche Verzögerungen, und Hindernisse gehören nun endlich der Vergangenheit an, der grenzüberschreitende Warenverkehr läuft wie am Schnürchen.
Und das ist wieder ein Grund mehr, die Fertigung im heimischen München zu belassen. Die Produktion nach Litauen auszulagern, kommt für Barbara und Michael Dörflein, die das Familienunternehmen in der dritten und vierten Generation führen, nicht in Frage. "Wir können uns keinen Lieferengpass leisten", wehrt Barbara Dörflein ab. „Und das könnte passieren, wenn man woanders neu anfängt."
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